Geschichte des Hauses

Das Schullandheim Schaippachsmühle

Alt ist das Gemäuer der Sinnmühle und blickt auf eine über 1000 jährige Geschichte zurück, die bis heute eng mit Würzburg verbunden ist.

Laut Überlieferung wurde die Mühle in Schaippach von Kaiser Otto II. im Juni 963 dem Würzburger Bischof Poppo (später Erzbistum Mainz) geschenkt. Über mehrere Jahrhunderte wurde sie als Getreide-, Loh- bzw. Gipsmühle genutzt und so, wie ganz Schaippach, als Lehen zwischen den Mainzer Kurfürsten und den Grafen zu Rieneck herumgereicht. 1896 wurde die Sinnmühle von einem Schweinfurter Kaufmann erworben und eine Drahtfabrik eingerichtet, 1922/23 von der Kreis-Elektrizitäts-Versorgung Unterfr. AG (Sitz in Wü) gekauft und eine Trafostation errichtet. Auch Absatzlackfabrik soll sie gewesen sein.

Am 20.4.1936 erwarb die Stadtgemeinde Würzburg die Sinnmühle (nun Schaippachmühle genannt), riss die Gipsmühle zwischen Haupthaus und Sinn ab und baute das Hauptgebäude zu einem Kinderheim um, in dem während des 2. Weltkrieges vor allem die Kinder aus ausgebombten Städten des Rhein-, Main-Gebietes Unterkunft fanden. Nach Kriegsende bis Nov. 1947 nutzten die Würzburger das Haus als Altersheim und danach wieder als Kindererholungsheim. 1953 war der Umbau der Scheune als erweiterter Wohnraum für Kindergruppen fertiggestellt und so konnten bis zu 80 Kinder die Schaippachsmühle bewohnen. Und es kamen auch viele, z.B. mit den sogenannten Kindertransporten aus dem gebeutelten Berlin, aus dem Raum Würzburg, durch den Deutsch-Französischen-Schüleraustausch, Schulklassen aus dem Raum Würzburg usw. und wurden vom damaligen Hausmeisterehepaar Heller willkommen geheißen und von den „Tanten” betreut. 13 Jahre später änderten sich die Kinderheimauflagen und das Kinderheim kam in finanzielle Schwierigkeiten und weitere 4 Jahre danach dachte der Stadtrat Würzburg aus Kostengründen über die Schließung des Kinderheimes nach. Nur durch die Zusammenarbeit des Stadtschulrates mit dem Schullandheimwerk Unterfranken (SWU) und weiteren Umbaumaßnahmen konnte der Betrieb 1976 als Schullandheim weitergehen. In den folgenden Jahren bevölkerten Schulklassen aus dem Spessart, der Rhön und der Haßberge, aber auch aus Rendsburg, Berlin und Erlangen, Behindertengruppen aus Ursberg und Würzburg die Mühle und wurden von dem Heimleiterehepaar Pernitschka und seinen Mitarbeiterinnen liebevoll umsorgt. Es wurde sogar sehr aufwendig hinter dem Haus ein Hartplatz gebaut. Aber trotz aller Bemühungen stand 2002 wieder das „Gespenst”: Schließung aus Kostengründen! im Raum und dieses mal wollte sich der Würzburger Stadtrat, trotz Gründung eines Vereines zur Rettung der Schaippachsmühle, nicht erweichen lassen.

Da kam die Würzburgerin Claudia Sitzer zu Hilfe, deren Vater Martin Dörr darauf drängte, die Schaippachsmühle für Kinder und Jugendliche zu erhalten. Frau Sitzer brachte durch die Umgestaltung eines Jugendhotels bei Nürnberg viel Erfahrungen mit. Sie kaufte der Stadt Würzburg im Mai 2003 das Schullandheim ab, machte den Betrieb zu einer gGmbH und bemühte sich, den ständig steigenden Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten und den Zusatzsteuern („Verbesserungsabgabe”) der Stadt Gemünden zu trotzen und durch Investitionen in Renovierungen und Modernisierungen, die Schaippachsmühle zu erhalten. So kam es, dass in Schaippach das einzige private Schullandheim Bayerns stand, das sowohl dem Unterfränkischen, als auch dem Bayrischen Schullandheimwerk angehörte.

Im August 2017 wechselte das Haus wieder den Besitzer. Herr Robert Franz übernahm das Haus und das Personal, um den großen und kleinen Kindern etwas Gutes zu tun. Wir danken dem Robert dafür, dass das Kinderlachen und Kindergeschrei von SchülerInnen aus Bayern, Württemberg und Hessen in den Straßen von Schaippach auch weiterhin zu hören ist. An den Wochenenden und in den Ferien wird das Haus von Musik- und Theatergruppen und Chören für Probewochenenden, von Therapiegruppen, Familien- und Freundeskreisen für Treffen und für Veranstaltungen wie z.B. Geburtstage, Kommunion, Taufe, Hochzeiten, Betriebsfeiern oder Klassentreffen, Behinderten-, Ministranten-, Kinderdorf- oder Sportvereinsfreizeiten mit Gruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt und von mir und meinen fantastischen Mitarbeiterinnen (aus Schaippach, Rieneck und Burgsinn) verwöhnt.

Durch über 80 Jahre Haus der Begegnung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist das „Kinderheim” (wie es die älteren SchaipacherInnen immer noch liebevoll nennen) und damit auch Schaippach ein Ort geworden, an den sich viele tausende Menschen gerne erinnern und häufig auch wiederkommen.

Und ich wünsche mir, dass das noch lange so bleibt.

Bärbel Flügel, Hausleiterin der Schaippachsmühle